
GIRAFFE verbindet Arbeitsrealität und Liebesaffäre zu einem leisen Sozialdrama, wenn ein polnischer Arbeiter und eine Ethnologin sich begegnen.
Synopsis
GIRAFFE spielt auf der dänischen Insel Lolland, wo polnische Arbeiter Glasfaserkabel verlegen, während der geplante Fehmarnbelt-Tunnel bereits droht, Landschaft und Alltag umzuwälzen. Unter ihnen ist Lucek, jünger als die anderen und zunächst nur ein Arbeiter unter vielen, bis seine Begegnung mit der Ethnologin Dara im Hotelzimmer den Film verschiebt. Mit GIRAFFE öffnet sich die Beobachtung zu einer intimen Geschichte unter unsicheren Bedingungen.
Die Verbindung zwischen Dara und Lucek bleibt kurz, unsicher und unausgeglichen. Aus einer stillen Begegnung wird eine Affäre, in der er deutlich mehr Gefühl und Hoffnung investiert, als sie erwidern kann. Der Unterschied in Alter, Status und Absicht bleibt sichtbar, auch in den Strandmomenten, wenn Dara ihm einige Zeilen von Rebecca Solnit vorliest. Lucek möchte dem Augenblick mehr Bedeutung geben; Dara kehrt am Ende in ihr Leben und zu ihrer Beziehung in Berlin zurück.
Hartmann verbindet dieses private Ungleichgewicht mit der Arbeit, die die Insel prägt. Die polnischen Arbeiter sind über ein System von Sub-Subunternehmern beschäftigt, und die Kritik beschreibt, dass diese Struktur sie am Ende um den verdienten Lohn bringen kann. GIRAFFE weitet diese ökonomische Logik über die Baustelle hinaus aus: In einer Welt, die den Marktregeln folgt, wird selbst Nähe zu einem Ort, an dem einer mehr gibt und mit weniger zurückbleibt.
Der Film wird als dokumentarisch geprägter Spielfilm beschrieben, zunächst beobachtend und später offener kommentierend, während Jenny Lou Zieglers ruhige Bilder ihre Aufmerksamkeit auf Körper, Räume, Felder und Dinge richten. In diesem kontrollierten Ton wird GIRAFFE zu einer elegischen Betrachtung über das Verschwinden von Häusern, Höfen, Menschen und Geschichten, während das Tunnelprojekt die Insel neu zeichnet. GIRAFFE bleibt damit ein klarer Blick auf eine Welt der Kosten-Nutzen-Rechnungen und lädt zu genauer Betrachtung ein.
Festivals & Awards
- Regie
- Anna Sofie Hartmann
- Laufzeit (Min.)
- Jahr
- Land
- Dänemark, Deutschland
- Altersfreigabe
- 16+
- Ton
- Dänisch
- Untertitel
- Deutsch




















